Seifenträume

Ich bin jetzt schon seit einiger Zeit unter die Seifensieder gegangen. Es ist ganz einfach, auch wenn man am Anfang vielleicht ein paar Fehler macht. Fehlerhafte Seifen kann man dann aber wiederum wiederverwerten oder weiterverarbeiten, z.B. daraus Putzseife machen.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten im Aussehen der Seifen… glatte, raue, körnige Oberflächen, flüssig/durchscheinende Oberflächen, weich/cremiges Aussehen oder auch harte Kanten und dann sind danatürlich noch die verschiedenen Möglichkeiten der Färbungen. Natürlich muss man abwägen zwischen optischem Aussehen, Inhaltsstoffen bzw. hautfreundlichen Eigenschaften und praktischen Aspekten wie der Seifenform.

Eine handgemachte Seife wird aus Fetten/Ölen, Wasser und der Lauge NaOH (auch Ätznatron oder Natriumhydroxid genannt – Achtung, nur mit Handschuhen anfassen, denn es ist ätzend) zusammengerührt und verseift dann während einer Reifungsphase. Dabei bleibt das feuchtigkeitsspendende und tensidmildernde (Tenside sind waschaktive Substanzen) Glycerin der verwendeten Öle in der Seife, anders als bei käuflicher Seife. Macht man seine Seifen selber, kann man auch genau die Zusammensetzung und die Inhaltsstoffe steuern – man weiß was drin ist. Natürlich kann man der Seife noch Duft (Parfümöle oder ätherische Öle) sowie Farbpartikel oder auch andere Zusätze (z.B. Honig, Milch oder Peelingzusätze wie Tonerde) hinzufügen. Die Schaumbildung ist oft nicht so stark wie bei käuflichen Produkten, kann aber durch die Auswahl an Ölen gesteuert werden. Die Verträglichkeit der Seife kann nicht nur durch die Auswahl der Öle (und sonstigen Zusätzen) angepasst werden, sondern auch durch die Menge der Öle im Verhältnis zur Lauge (Überfettung) und der Dauer der Reifungsphase. Während dieser Phase wird die Seife milder und der pH-Wert sinkt. Je länger man die Seife lagert, desto langsamer verbraucht sie sich, wenn man sie benutzt.

Ich möchte und kann hier keine umfassende Anleitung zum Seifensieden geben und möchte daher auf eine Schritt-für-Schritt-Anleitung meiner Hauptinformationsquelle hinweisen. Man kann auf bereits vorhandene Rezepte zurückgreifen (Bücher oder ein VHS-Kurs können am Anfang sehr hilfreich sein!) oder sein eigenes Rezept erstellen. Es gibt noch viele weitere Informationsquellen im Internet, z.B. dieses hier.

Für den Anfang kann ich raten Schutzkleidung zu tragen, nicht mit einer Milchseife anzufangen und ohne Angst aber trotzdem mit Vorsicht zu arbeiten (Schutzkleidung: Handschuhe, Schutzbrille, Atemmaske, siehe Schutzmaßnahmen oder Arbeitsgeräte).

Man kann sehr günstig bei der Seifenherstellung anfangen, aber später auch teurere Varianten ausprobieren. Außerdem muss man sich vorher darüber Gedanken machen wie flüssig oder cremig-fest der Seifenleim sein soll. Will man die Seife in die Form gießen und schöne Farbverläufe hinbekommen, sollte die Masse eher flüssig sein; will man die Seife mit den Händen formen, darf sie ruhig fester sein. Die Seife dickt durch viele Parfümöle noch an und wird im Laufe der Reifungsphase durch die Wasserverdunstung auch immer fester (auch abhängig von den verwendeten Ölen und der Überfettung). Es hört sich alles komplizierter an als es ist!

Ich bin richtig begeistert von den vielen Seifentorten, die man im Internet auf den ganzen privaten Blogs finden kann – man weiß oft gar nicht, was nun essbare Torte und was Seife ist. Will man eher handfreundliche Formen, sollte man blockförmige Seife (z.B. in eine aufgeschnittene Milchtüte gießen und nach dem Ausformen einen Tag später wie einen Kuchen in Stücke schneiden), ovale Seife oder Seife in 3D-Form (es gibt dafür extra Formen) herstellen.

Hier sind mal zwei Stücke aus meiner eigenen Seifenproduktion:

Vielen Dank an CeadeSX für das professionelle Fotografieren dieser Seifen. („Auch Seifen haben das Recht wie Claudia Schiffer fotografiert zu werden.“)

Da meine erste Blockseife nicht ganz meinen Vorstellungen entsprach, habe ich mir eine Seife ertauscht (bekommen habe ich aber mehrere).  Liepham aus Berlin hat mir eine Salzseife, Shampooseife und noch zwei weitere sehr gut duftende Exemplare geschickt. Weitere Fotos und die Rezepte dazu findet ihr auf ihrem Blog. Hier sind meine ertauschten Schätze (noch einpepackt):

Die Salzseife habe ich inzwischen in Benutzung, die anderen müssen noch etwas reifen.

Wichtig ist noch, dass man die Seifen in einer Seifenschale mit großen Löchern aufbewahrt, damit sie vor der nächsten Benutzung gut trocknen können. Ich habe mir sagen lassen, dass es das beste ist, wenn man daher gleich mehrere Seifen in Benutzung hat! Schwimmen die Seifen im abgetropften Wasser, dann werden sie schnell sehr matschig.

Viel Spaß beim Sieden und schöne Grüße an alle anderen Seifensieder!

Sie

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